Ein Neuanfang

Als ich mich Anfang des Jahres dazu entschlossen habe den Firmenamen zu ändern und eine neue Homepage aufzubauen, war es für mich am Schwersten die Entscheidung zu fällen ob ich mich von meiner alten Seite trennen kann.

Warum? Mein Blog den ich jahrelang pflegte und der mittlerweile gut auf google gefunden wurde - alle Einträge, auch wenn manche Produktmässig nicht mehr zu dem passen was ich heute mache - an allem hing ich sehr.

 

Heut morgen wusste ich, dass die Zeit für einen neuen Start und einen neuen Blog gekommen war.

Das fiel mir ein als ich mir grad das Roggenmehl am Haar und am Körper verteilt habe und ich mir wieder in Erinnerung rief dass ich darüber doch schon längst bloggen wollte.

 

Ich war mir nicht sicher ob ein persönlicher Blog mit persönlichen Gedanken (aber auch vielen Tipps die mir im Laufe meiner Arbeit und meinem Gedankenwirrwarr in den Sinn kommen) etwas auf meiner Firmenseite verloren hatte - aber ehrlich gesagt: Ja! So bin ich. 

Wir beide, du und ich,  sind ja auch in keinem stoischen Dienstleister- & Kundenverhältnis wenn wir bei mir im Salon sind.

Sondern da wird mit den Hunden geknuddelt, wir lachen, wir reden über Sachen wo uns der Schuh drückt, wir erzählen uns wo man unbedingt essen und urlauben sollte und wir trinken aus Kupferbechern. Da passt ein persönlicher Blog schon!

 

 

Ich frag mich ob ich zu Silvester einen Muttrunk getrunken habe. Nicht dass ich besonders mutig bin - ich fliege nicht gerne, mir wird sogar schlecht wenn ich auf einer Luftmatratze im Meer liege und die Augen schliesse - aber wenn es irgendwo anfängt dann traut man sich vielleicht das ganze Konstrukt welches man sich baut von aussen zu betrachten und vielleicht zu renovieren und neu zu investieren.

 

Vor zwei Wochen hatte ich wieder so ein Schlüsselerlebnis und das will ich nicht missen. Im Gegenteil ich will es mit euch teilen können wie ein Rezept für eine Homemade Kräuter-Spülung oder vegane Schokomuffins, denn ich denke davon könnt ihr genauso profitieren.

 

Ich hatte eine sehr liebe Braut zur Probe. Im Laufe der Probe hat sich aber herausgestellt, dass ich das was sie gerne hätte nicht umsetzen kann. Vielleicht denkt manch Kollege jetzt "Wie kann man sowas nur schreiben und eine Schwäche zugeben". Vielleicht denkt aber auch manch Kollege "Halleluja, dieses Gefühl kenne ich!".

Ich stand also da und versuchte wirklich es meiner Braut recht zu machen, aber in meinem Bauch machte sich immer mehr ein Gefühl des Unwohlseins breit (darf man das als Dienstleister überhaupt haben? Ich finde mittlerweile ja.)

Die Frisur fand ich gelungen aber mit dem Make Up kam ich nicht zurecht. Ich habe mich einfach im Laufe des letzten Jahres dazu entschieden nur mehr natürlich zu arbeiten - das macht mir richtig Spaß. Und jetzt stand ich da und der Lidstrich auf dem Airbrush Make Up, zu dem ich mich noch einmal hinreissen hab lassen, wurde und wurde nichts. Mir hat es nicht gefallen. Ich stand nicht dahinter. Die Braut auch nicht. Meinem Körper auch nicht - der hat sich immer mehr und mehr zugeschnürt.

Und ich wusste wo es Enden würde: In einem Kompromiss mit einer schlaflosen Woche vor der Hochzeit in der ich mir wünschte dass die Tage alle schnell vergehen und ich es hinter mich bringen kann um wieder zu leben. Und das kann es einfach nicht sein. Die wunderschönen Tage dazwischen nicht geniessen zu können nur weil ich mich in einer Situation unwohl fühle und als Dienstleister die Verpflichtung habe das durchzuziehen.

 

Das klingt ganz schön schrecklich, oder. Ich hoff ich verunsichere keine meiner zukünftigen Bräute. Aber ich bin der Meinung es wäre doch auch gemein der Braut gegenüber die sich verpflichtet fühlt weil sie etwas reserviert hat und vielleicht niemand andren mehr findet, ebenfalls mit einem Kompromiss zu leben. Und das an dem ihr so wichtigen Tag. Das will ich nicht. Dafür gibt es zu viele Kolleginnen und jede arbeitet anders und hat ihre andren Vorzüge. Warum soll ich also der Braut im Weg stehen ihre perfekt passende Stylistin zu finden.

 

Und mal ehrlich - für das hab auch ich mich nicht selbstständig gemacht. Um dann mit Bauchweh schlafen zu gehen und mich zu fürchten ob das jetzt was wird oder nicht. Ich dachte das habe ich nach meiner Gesellen- und Meisterprüfung hinter mir gelassen.

 

Also stand ich da und trat irgendwie aus meinem Körper heraus, denn ich stand plötzlich neben mir und hab gehört wie ich der Braut erklärt habe, dass es vielleicht besser wäre wenn wir das nicht gemeinsam machen. Eben auch aus dem Grund dass ich das Gefühl habe sie wäre bei mir unglücklich.

 

Und das war die beste Entscheidung. Ich war richtig befreit und bin froh dass ich mich getraut habe, auszusprechen was ich in diesem Moment gefühlt habe.

Ich bin mir nicht sicher ob es mutig ist oder dumm. Nicht das Gespräch zwischen ihr und mir, sondern der Ehrlichkeit hier auf dem Blog. 

Ich weiss nicht ob man es falsch verstehen könnte, wenn man das liest. Ich bin kein Egoist. Nein, ich zwinge niemanden einen "Look" auf sondern versuche immer ein Strahlen in das Gesicht zu zaubern.

Aber ich hab mir vorgenommen zu meinen Bräuten genauso ehrlich zu sein, wie zu meinen Haarkunden - denn das fühlt sich nun mal verdammt richtig an.

 

 

 

Ich bin neugierig auf meine Bräute 2016 und hoffe dass ich immer wieder den Mut haben werde Sachen anzusprechen wenn ich das Gefühl habe dass wir nicht glücklich sind - he ich bin auch nur ein Mensch und kein Roboter.

 

Im Übrigen hatte ich eine Woche später meine nächste Brautprobe. Ich hatte natürlich ein wenig Bammel ob mir das nun immer passiert - aber ich wurde mit einer wunderbar bezaubernden und energieversprühenden Braut belohnt auf die ich mich schon sooooo wahnsinnig freue, dass ich es kaum abwarten kann, dass bald Juli ist ;-)

Und wie ihr an den Bildern sehen könnt, hat mich der Mut nicht verlassen schöne Frisuren zu machen :D

 

In diesem Sinne wünsch ich mir und euch einen ehrlichen, natürlichen und ungezwungenen Blogstart!

 

Alles Liebe,

Lela

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Kommentare: 3
  • #1

    ina (Mittwoch, 08 Juni 2016 13:03)

    cooli, freu mich schon auf weiteres!!

  • #2

    Vera (Mittwoch, 08 Juni 2016 13:25)

    Wow, authentisch und ehrlich geschrieben. Macht Mut zum Mut

  • #3

    Andrea (Mittwoch, 08 Juni 2016 15:36)

    Lela du bist so bezaubernd